Lektionen, die nicht vergessen werden dürfen

Alberto Corona, 21.04.2018

Der Autor ist Korrespondent der Lateinamerikanischen Nachrichtenagentur Prensa Latina in Managua

Managua, 21. April 2018 (PL) Nicaragua weiß sehr wohl, was einen gewaltsamen Konflikt unter Brüdern bedeutet. Jahre des blutigen Krieges haben Lehren vermittelt, die einige vergessen zu haben scheinen. Die Mehrheit kann sich gut daran erinnern, dass nur der Frieden Wohlstand bringt.

In den letzten Tagen ist das Land in eine Gewaltspirale verwickelt worden, die weit davon entfernt ist, ob eine Reform der Sozialversicherung durch das Volk akzeptiert oder abgelehnt wird. Die Vandalen Akte, die in der Hauptstadt und weiteren Städten des Landes stattfinden, scheinen wohl mehr dazu bestimmt zu sein, Unruhe und Terror auf den Straßen zu stiften. Dort haben bisher zehn Menschen ihr Leben verloren.

Der Dialog, das Bündnis und der Konsens sind die Praktiken, die von der sandinistischen Regierung an allen möglichen Stellen geschaffen wurden, seitdem Daniel Ortega 2007 die Wahlen gewann. Als Resultat dessen sind die erlangten Errungenschaften für das Land in all seinen Ordnungen, einschließlich die Einbeziehung und die Teilnahme vieler ehemals vernachlässigter Bereiche offensichtlich. Und der Kampf gegen die Armut ist eine der Prioritäten in einer der Nationen in der Hemisphäre, die gerade am meisten von dieser Geißel betroffen ist.

Wirtschaftswachstum, Ausdehnung der Märkte, positive Kennziffern im Bildungs- und Gesundheitswesen, Energieentwicklung, atemberaubender Fortschritt in der Infrastruktur und im Tourismus, soziale, kulturelle und umweltmäßige Fortschritte, alles das sind durch internationale Organisationen anerkannte Tatsachen.

Diejenigen, die heute Bilder der Plünderung, der Brände von Einrichtungen, Stein- und Stockwürfe beobachten, mögen denken, dass das Chaos die hervorstechende Note sei. Aber es ist weit entfernt von der Realität. Schluss mit der Prüfung der Statistiken. Nicaragua ist eins der sichersten Länder der Welt. In diesem Kontext treten Fragen auf wie: Wem nutzt die Gewalt und wer fördert sie? Woher rühren so viel Hass und Wut unter Brüdern? Was ist das Ziel des Chaos, eine Reform zu bekämpfen oder das sozialistische, christliche und solidarische Projekt?

Das sind unter anderem Fragen, die nur die Nicaraguaner sich selbst beantworten können. Das Land wünscht den Frieden, daran gibt es keinen Zweifel. Die Aufrufe an die Vernunft und zum Dialog erfolgen seitens bestimmter Bereiche und Akteure der Gesellschaft ständig.

Was geschieht unter diesen Umständen? Das Land hat noch viele Ziele und Aufgaben zu erfüllen. Nicht alle gehen konform mit den festgelegten Maßnahmen der Regierung. Aber dafür gibt es die Stellen des Dialogs. Ob sie nützen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Ein ums andere Mal hat die Regierung auf ihnen beharrt. Der Konsens und das öffentlich-private Bündnis sind die Schlüssel, um die guten Ergebnisse zu erreichen, die Nicaragua heute nach Meinung von Beobachtern, eigenen und ausländischen Experten vorweisen kann.

Diese Vision und die politische Strategie des langen Atems erlaubt es nach Meinung von darauf spezialisierten Institutionen, dass im Land in den folgenden sieben Jahren das Bruttoinlandprodukts nachhaltig um fünf Prozent wachsen wird. Gleichzeitig sind viele Ressourcen, die für die wirtschaftlichen und sozialen Programme bestimmt sind und mit denen die Armut für viele Menschen beseitigt werden soll, nicht einfach zu erlangen. Diese Programme stehen in Übereinstimmung mit den Haushaltsplänen der Nation. Sie sind von den Parteien erstellt worden, die sich dieser Aufgabe widmeten.

Andererseits ist das Investitionsklima günstig. Das anerkennen auch die Privatbetriebe. Während der Konsum wächst, gewinnen die Verkäufe ins Ausland immer mehr Räume. Letztendlich hat das Ansehen des Landes verschiedene Sprossen erklommen, die durch eine gemeinschaftliche Arbeit der unterschiedlichen Bereiche abgesteckt waren. Ein weiteres Mal bestätigen die offiziellen Statistiken die Darstellung.

Trotzdem! Am Rande einer Reform der Sozialversicherung, ob vorteilhaft oder begrenzt, haben bestimmte Gruppen beschlossen, in konfrontativer Laune auf die Straßen zu gehen. Wohin wollen sie das Land führen?

"Es gibt Lehren, die die Nicaraguaner nicht vergessen dürfen", sagte ein Mann, der sein Brot als Wachmann einer Privatimmobilie verdient und der seinen Namen nicht nennen wollte, zu unserem Reporter. Vielleicht denken viele weitere Bürger so, ohne ihren Namen oder Ideologie zu nennen.

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