Mexiko-Stadt und Managua lernen

Edwin Sanchez auf La Voz del Sandinismo

I.

Managua und Mexiko-Stadt sind Hauptstädte, deren Bevölkerungen am Wasser leben. Die Ländereien Managuas mit ihren Lagunen und dem See, ihren verloschenen Vulkanen ähneln denen der antiken Tenochtitlán. Die Azteken legten die Seen in Mexiko trocken, um sich anzusiedeln. Die Opulentecas forsteten die Wälder von Managua ab. In Managua ist der 100 Kilometer nordöstlich gelegene Kegel des Momotombo zu sehen. Südöstlich von Mexiko-Stadt liegt der Popocatépetl. Beide tragen mexikanische Namen und sind aktiv. Die zwei Städte liegen in einer Niederung und müssen jedes Jahr Überschwemmungen ertragen.

Dieses Hautstadtpaar wurde durch Verehrer des Gottes Xólotl gegründet. Außerdem führen die Narben der vielen Erdbeben über ihre Bergrücken und Täler. Mehr als 10.000 Opfer wurden 1972 im Nationaldistrikt von Managua und ebenso viele 1985 im Föderaldistrikt in Mexiko-Stadt gezählt. Der Tod wanderte mit bebenden Schritten, in der Luft der einen Stadt war die Angst zu spüren. Ich erlebte die Katastrophe von 1972 (in Managua) nicht. Doch das Erdbeben vom 20. September 1985 in Mexiko-Stadt erinnerte mich an die Fotos vom verwüsteten Managua... In den Gesichtern der Mexikaner waren von der Trauer, der Anstrengung, der Suche, der Ungewissheit, der Fragen und dem Heldentum der Helfer gezeichnet. Sie fühlten wie wir, die wir von gleichem Fleisch und Blut sind, die wir die gleiche spanisch-nahuatl Sprache und den gleichen Glauben haben.

Die nicaraguanische Regierung schickte damals ein Kontingent an Helfern nach Mexiko. Und sie hilft auch heute.

II.

Mexiko erlebte jetzt eine neue Naturkatastrophe und verhielt sich edelmütig. Als sich das Land noch in den Stunden der Trauer befand, bot es Beispiele an Mut und Disziplin bei der Ausübung der wichtigsten Aufgaben, um die Existenz zu sichern.

Ich erinnere daran, dass die Verantwortlichen 1985 eingestanden, dass nicht alle Schuld beim Erdbeben lag. Viele Bauwerke waren nicht geprüft worden. 1986 führte der Ingenieur Raúl Pérez Pereyra, Experte der Berechnung und Konstruktion hoher Gebäude, eine Untersuchung durch. Er wies nach, dass zu 90 Prozent das Baureglement verletzt worden war. Er deckte auf, dass "eine Mafia von Ingenieuren, ermuntert von den Institutionen, welche die Konstruktionen hätten prüfen müssen, ihre Verantwortung und die der Konstrukteure vertuschen wollten. Sie machten der Öffentlichkeit Glauben, dass das Erdbeben die Menschen tötete und nicht die schlechten Bauwerke".

Das Allgemeine Krankenhaus hätte niemals zusammenfallen dürfen. Es beendete die Tragödie in den ersten Stunden des Tages. Jedes Stockwerk zermalmte das andere... Das Zentrum, das Gesundheit spenden sollte, wurde in weniger als einer Minute zum Friedhof. Fast 300 Patienten, Ärzte und Krankenschwestern starben, darunter 195 Neugeborene...

Mexiko lernte viel aus dem Schrecklichen Erdbeben von 1985... Mit einem neuen und rigorosen Baureglement, das den Baugrund besondere Beachtung schenkte, gab es klare Ergebnisse im Monat der Erdbeben in diesem Jahr: Bis jetzt gab es bedauerlicherweise 300 Opfer und weniger zerstörte Strukturen. Trotzdem fielen Gebäude zusammen, weil sie älteren Ursprungs waren und nicht den Normen entsprachen.

Mexiko hat außerdem Planspiele mit der Bevölkerung programmiert: Die Übungen des massiven Schutzes in Übereinstimmung mit geologischen Untersuchungen, aber ohne adäquate städtische Vorbereitungsmaßnahmen, brachten wenig. Die Überlebensübungen sind die Seele eines sicheren Überlebens. Diese Seele benötigt aber einen Körper: Das Bauregelwerk. Das darf nicht getrennt voneinander gehen. Mit der Dynamik des Planeten können wir nicht russisch Roulette spielen. Irgendwo ein Gebäude zu errichten, war vielleicht in alten Zeiten gerechtfertigt, als es noch einfacher war auf einen Weissager der San-Judas-Gemeinde als auf einen Geologen zu stoßen.

III.

Das Bauregelwerk muss studiert und angewendet werden wie eine Bibel der Stadt. Warum? Seit sie denken können, wollen die Menschen ihrer Verantwortung aus dem Wege gehen. Eva ist die erste "Schuldige" der Menschheit. Nach ihr waren das die Elemente, die Regierungen oder zum Beispiel ein Erdbeben.

Aber nicht alles können wir in den Sack der Naturkatastrophen packen... Viele der großen Dramen auf dieser Welt wurden durch die Gefräßigkeit der Unverantwortlichen hervorgerufen, als sie nicht den Gemeinschaftssinn respektieren wollten. Wir leben im "Goldenen Zeitalter der Demokratie", ohne wissenschaftliche Studien einzuführen. Denn diese würden ja verhindern, dass ihre Geschäfte auf "sensationellen Plätzen" in die Höhe schössen. Sie errichteten Gebäude bis hin zu einem Hotel auf schlafenden geologischen Alpträumen. Die Natur, ob früh oder spät, holt nach, was ihr zukommt. Heute erscheinen die unglückseligen Entscheidungen über den instabilen Baugrund in gerissenen Mauern, Bauwerksetzungen und gerissenen oder überschwemmten Etagen. Aber sie schafften es nicht zuzugeben, dass der Bau der Gebäude ein Fehler war.

Die Tatsache, dass diese Dinge geschehen, muss nicht heißen, dass Länder wie Nicaragua und Mexiko nicht geeignet wären, um dort zu wohnen oder Touristen zu empfangen. Unsere Regierung ist davon überzeugt, den Naturereignissen vorbeugen zu können, zum Beispiel durch Vielgefahrentraining. In Managua gab es 2006 noch einige Ruinen des Erdbebens von 1972, die einst von Familien bewohnt waren. Sie leben heute im neuen Stadtviertel Belén (Betlehem)...

Wir bleiben auf der Erde. Wenn kein Hurrikan kommt, dann gibt es ein Erdbeben. Wenn es keine Schneestürme gibt, dann kommen Sandstürme. Wenn es keine Dürre gibt, dann müssen wir vorsichtig wegen eines Tsunami sein. Und wenn es keine Überschwemmung, Sintflut oder keinen Tornado gibt, dann gibt es eine Finanzkrise wie 2008.

Ein Wirtschaftssystem, das dem Mammon frönt, und wo das Lied tönt "Rette sich, wer kann!", ist schlimmer als ein Erdbeben. Die "Naturkatastrophe" ist Teil dieser närrischen Liturgie.

mem/es