Der Ursprung des "Nicarao-agua": Verrat und Frieden

Edwin Sánchez auf El 19 Digital

Seit den präkolumbischen Jahren bis in die Gegenwart hinein herrscht eine nationale Ungenauigkeit vor. Bei den Konservativen wird immer noch diskutiert: Was ist Nicaragua und wie nehmen wir es wahr?

Für die konservative Kaste ist Nicaragua keine Nation. Ihre ideologische Sichtweite verwischt die Republik dermaßen, dass sie in den kleinen Konturen ihrer eigenen Stammesinteressen verschwindet. Die Undurchsichtigkeit ihrer Nationalität drückt sich in einem rücksichtslosen Vorurteil gegenüber den Eingeborenen, die sie in der Kolonie systematisiert hatte, aus. Die Unabhängigkeit zerschnitt nicht die Nabelschnur eines von der Metropole gezähmten Verstandes. Diese Tendenz ist ein ständiger Rückschritt, in dem die ganze nationale Aussprache verraucht.

Unsere Geburt als Nation ist schemenhaft und infolge von Invasionen, Interventionen, Einmischungen, kleiner und großer Kriege, Aggressionen und Wirtschaftsblockaden pausenlos unterbrochen. Und alle diese Eingriffe wurden bejubelt und gerechtfertigt durch die ewig Gestrigen.

Wer waren wir früher? Die Namen definieren und markieren ein Schicksal, sagen wir. Es gibt so viele Namen für das Volk, dass man damit Wege pflastern könnte. Es ist Teil des Kampfes des Sandinismus, dass er keine andere politische Formation vorhatte.

Hierher kamen die Nahuas, wird erzählt. Aber nie wurde über die Eigenart dieser Bevölkerungsdefinition gesprochen, so, wie das bei anderen Völkerschaften gemacht wurde. Diese Gesellschaft war genauso bekannt wie die der Nicaraos und Niquiranos. Die Debatte über den Ursprung ihrer Benennung schwebte zwischen Mythos und Wirklichkeit.

Einer kann sich fragen: Wie viele Völkernamen und Adern einer ethnischen Gruppe heißen ebenfalls náhuatl? Wir können es nicht sagen, denn es hat nur einen Ursprung. Vielleicht auch von einem unseligen Stammesverhalten. Wenn wir von Herkunft her Nahua sind, übernehmen wir, was uns aus der fernen Vergangenheit als Nahoas bekannt ist und begründen damit eine Region, die es nie gab: Nicaraocallí, auf Kosten eines realen Häuplings Macuilmiquiztli.

Namen über Namen, die verdunkeln, was sie in den konservativen Intellektuellenzirkeln mit nur einer Absicht tilgen und fabrizieren: Diesem Volk, diesem gegenwärtigen Nicaragua, das Rückgrat der souveränen Würde vorzuenthalten.

Das ist nicht zufällig, denn die tölpelhafte Manipulation des El Güegüence, welche die gleichen konservativen Zirkel nachmachen, die aus der Loge der grotesken Vorlesung einerseits danach streben, ein Bad der Ehrenhaftigkeit zu bieten und andererseits vom Verrat und von der Lüge als Bestandteil des nicaraguanischen Charakters zu schwärmen.

Das ist der Weltrekord des Zynismus: Das Volk wird beschuldigt, die Erbärmlichkeit der Elite, welche die "fatalen Seiten der Geschichte füllen", wiederzugeben.

Was ist nun der Ursprung unseres Namens Nicaragua? Der Historiker Lothrop schrieb, dass wir Niqueragua waren, obwohl es welche gibt, die meinen, dass diese Bevölkerung in der Abhandlung von Valle de Anáhuac, Mexico, vorkommt. Sie, so sagt man, tauften die südöstliche Region Nicanáhuac, "bis hier reichten die Gebiete des Anáhuac". Anáhuac bedeutet in Náhuatl: "Zusammen am Wasser". Das wäre mehr als ein einfacher Zufall. Es wäre eine Absicht, die von den ersten Europäern in der Neuen Welt bekräftigt wurde.

Die Unterlagen enthüllen, dass "Nicaragua" der Ausdruck der Spanier war, als sie das Süßwasser, den Cocibolca (Nicaraguasee), bewunderten. Als sie sich in der Region der Nicaraos ansiedelten und dieses Gewässer sahen, nannten die Andalusier das Gebiet "Nicarao-agua", wie José Dolores Gámez schrieb. Seine Benutzung beendete die Benennungen des Landes. Der Name Nicaragua ist ein Nebenprodukt der imperialen Irreführung.

Heute sprechen sie von "Eingeborenenvölkern". Aber keiner von ihnen respektiert diejenigen, die man bereits früher im Original antraf. Jede Einwanderungswellebedeutete, die Ortsansässigen der Pazifikseite hinauszuwerfen, beginnend mit den Kariben. Viele Autoren halten die Mosquitos oder Miskitos für die primitiven Bewohner der dichtbesiedelten Region des Landes.

Die Chorotegas führten östlich des Cocibolca-Sees die Regie und die Einwohner einer anderen nördlichen Ansiedlung, Chontal, beendeten ihre Vertreibung, indem sie sich wieder an der Karibikküste ansiedelten. (Nach José Dolores Gámez und Samuel Kirland Lothrop). Andere Historiker beschreiben das gleiche, aber mit unterschiedlichen Subjekten: Die Vertriebenen waren die Matagalpeños und Sumus Mayangnas. (Nach Frances Kinloch).

Dann waren die Chorotegas an der Reihe, aber als Opfer der Nahoas, die damals auf unseren Ländereien noch nicht bekannt waren. Als sie aus ihren weiträumigen Revieren vertrieben worden waren, konzentrierten sie sich westlich des Xolotlán (Managuasee) als Nagrandanos und in der Großen Grafschaft als Dirianes: Monimbó-Diriamba-Nandaime-Diriá-Diriomo-Niquihohomo-Masatepe…

Diese traurige Kapitel eröffnete einen widerwärtigen Zyklus in der Geschichte: Um den Boden in Besitz zu nehmen, auf dem die Diaspora der Mangues endete, ergriffen die Nahuas mit ihren neuartigen Waffen die Initiative. Als es ihnen nicht gelang, die Chorotegas militärisch zu schlagen, wandten sie ihre politischen Strategien an: Sie schlugen vor, eine Botschaft des Scheinfriedens einzurichten.

Der Chronist Juan de Torquemada berichtet, wie die Nicaraos die Landkarte von Mangue, einschließlich der Kakaoplantagen des heutigen Rivas in Besitz nahmen. "Sie waren schon einige Tage als Gäste da und dachten an einen Verrat, um auf diesem Boden bleiben zu können. Sie beanspruchten Tamenes (das bedeutet Arbeitsindios), damit diese ihnen halfen, eine Wohnung zu finden. Die Chorotegas rückten an jenem Tag aus, um sich aus der Not zu befreien, die ihnen viele Indios bereiteten. Sie besetzten in jener Nacht nicht mehr als eine Meile von den Steinen am Fluss. Dort schliefen die Tamenes. Sie töteten diejenigen, die gerade aus dem Krieg kamen, aber auch diejenigen, die im Dorf bleiben wollte. Die Gefangenen wurden an einen Ort gebracht, den man heute Nicoya nennt. Den Ort, an dem die Verräter blieben, nannten sie Nicaragua" (Enzyklopädie Nicaraguas, Band 1).

Die Nahoas waren in der Entwicklung ihrer Leistungsfähigkeit stehen geblieben. Als die Spanier kamen, erlitten sie dasselbe, was sie früher praktizierten.

Auch mit dem Nebel des Kain über unserer Erde sind die Tugenden des Abel größer. Es gibt einen Nationalismus, der sich ohne Gestammel in der direkten Linie mit den Chorotegas ausdrückt. Der historische Zusammenhang dieser tatsächlichen Herkunft ist kein Zufallswerk: Diriangén, Rubén Darío und Augusto César Sandino.

Sie sind genau die nährenden Quellen, die den aktuellen Sandinismus speisen und die eine Identität des Landes aufbauen. Sie überwinden die Nebelgebilde der Geschichte. Oder sagen wir ihre Ungenauigkeiten.

Rubén Darío lehnte den Blutstrom Mangues, der seine Adern erschauern ließ, nicht ab. "Gibt es in meinem Blut einen Tropfen afrikanischen Blutes oder des Blutes des Chorotega- oder Nagrandanoindios? Es könnte sein aus Trotz meiner Hände des Grafen..."

Wie früher erwähnt, befanden sich die Chorotegas nach dem abscheulichen Verhalten Nahoas, in zwei Zellen: Nagrandanos und Dirianes. Es war Diriangén, der Häuptling der Großen Grafschaft, der den Konquistatoren entgegentrat.

Nach Rubén Dario ist General José Santos Zelaya kein Verräter. Seine Absage an den Präsidenten der Vereinigten Staaten William Howard Taft, der unter der Unterschrift des liberalen Präsidenten (Zelaya) veröffentlichte, ist eine meisterhafte Lektion der politischen Wissenschaften.

Augusto César Sandino ist der andere authentische Nachkomme der Chorotegas. Er wurde in Niquinohomo geboren. Diese Gemeinde wurde von dieser ursprünglichen Gesellschaft gegründet. Seine Überzeugungen änderten sich auch nicht, als er als sehr junge Mann die Leiche des Generals Benjamín Zeledón sah. Er handelte nach seiner edlen Linie: Den Frieden, der ihm das Leben kostete, auf sich zu nehmen. Und erneut wurde ein Chorotega von Nicaraos verraten.

Was ist Nicaragua und wie nehmen wir es auf? Die Antworten finden wir bei Diriangén und den hervorragenden Werken von Darío und Sandino.

Die drei Getreuen sind die fundamentalen Steine unserer nationalen Identität, die dann die Niquiranos im Prozess der Rassenmischung umgibt: "Unsere Erde ist aus Tatkraft und Ruhm gemacht." Folglich sind wir ein multiethnisches Volk, gemacht und gegeben für das Beste der Poesie, für den Frieden.

Gott sei Dank sind wir kein Volk der Verräter. Das wollen wir nicht tun, dieses haltlose Handwerk der Eunuchen ohne Vaterland.

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